10. Juli 2019
von Cornelia von Pappenheim
Keine Kommentare

Bitte Unterstützung beim Projekt „HapticBodySigns“

Friederike Baudach appelliert an alle Taubblinde und Taubblindenassisten*innen um Unterstützung.
Hier der Appell in ihrem Gebärdensprachvideo:

Es geht um das Projekt „HapticBodySigns“ (Schwerpunkt Sozial-haptische Kommunikation)
der RWTH Aachen.
Das Ziel des Projektes besteht in der Sammlung aller haptischen, am Körper ausgeführter Gebärden (Body Signs), die von taubblinden Menschen, ihren Angehörigen und Assistenzen im deutschsprachigen Raum verwendet werden.
Bei dem Projekt werden Menschen mit Taubblindheit gesucht für die Wörtersammlung bei dem Haptischen Gebärden und anderen.
Wenn Sie Interesse haben, dieses Projekt zu unterstützen, die Wörter für die Sozial-haptische Kommunikation zu erweitern, zu erneuern oder zu herstellen, schreiben Sie bitte eine E-mail an info@hapticbodysigns.de

Dazu mehr Infos im Gebärdensprachvideo:

Eine Transkription finden Sie hier im Link

5. Juli 2019
von Cornelia von Pappenheim
Keine Kommentare

Warum Gebärdensprach-Avatare nicht die Überhand gewinnen sollten

Zitat:
„Zunehmende Digitalisierung und Automatisierung stehen im Fokus des aktuellen wirtschaftlichen Denkens. Auch die Gehörlosencommunities sind davon betroffen, insbesondere durch den vermehrten Einsatz von digitalen Avataren, die nationale Gebärdensprachen wiedergeben können. Trotz des offensichtlichen Mehrwerts von Avataren für den Ausbau der Barrierefreiheit stehen der Österreichische Gehörlosenbund (ÖGLB) und der Österreichische Gebärdensprach-DolmetscherInnen-und -ÜbersetzerInnen-Verband (ÖGSDV) dem Thema aus einigen Gründen kritisch gegenüber…..“
Weiter im externen Link die Stellungnahme des Österreichischen Gehörlosenbund (ÖGLB) und der Österreichischen Gebärdensprach-DolmetscherInnen-und -ÜbersetzerInnen-Verband (ÖGSDV)

Auch wenn es eine Stellungnahme aus Österreich ist, sind diese Bedenken und die Begründung auf Deutschland übertragbar.
Es ist zwar gut und wichtig, dass Gebärdensprach-Avatare weiterentwickelt werden, denn sie können dazu beitragen, dass  Gehörlose einen barrierefreien Zugang zu immer mehr Informationen bekommen. Für die technische Weiterentwicklung der Avatare sind die Entwickler auch auf die Unterstützung von gehörlosen Experten angewiesen. Es können also kurzfristig auch neue Arbeitsplätze und Aufgabenfelder für Gehörlose erschlossen werden.

Aber diese Avatare sind noch lange nicht in der Lage eine*n Gebärdsprachdolmetscher*in zu ersetzen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die Deutsche Gebärdensprache ist, wie jede andere Gebärdensprache auch, eine komplexe Sprache und es ist nicht möglich, dass ein Avatar Inhalte so differenziert  wiedergeben kann, wie ein*e gehörlose*r oder hörende*r Gebärdensprachdolmetscher*in bzw. ein*e Übersetzer*in. Im Gegensatz zu Gebärdensprachdolmetscher*innen bzw. Übersetzer*innen sind Gebärdensprach-Avatare z.B. nicht in der Lage sich an unterschiedliche Zielgruppen anzupassen. Auch haben sie keine aussagekräftige Mimik und Gestik. Darüber hinaus ist es zwingend notwendig, dass menschliche Gebärdensprachdolmetscher*innen in der Öffentlichkeit sichtbar werden, damit die Gehörlosen und ihre Bedürfnisse von der hörenden Mehrheitsgesellschaft wahrgenommen werden können. Außerdem sind gehörlose Vorbilder gerade für die Identifikationsbildung von jungen Gehörlosen wichtig. Wenn man sich nur auf die Weiterentwicklung von Gebärdensprach-Avataren konzentrieren würde, dann könnten auch Berufsgruppen in denen Gehörlose heutzutage tätig sind, wie Gebärdensprachdozent*innen oder auch Gebärdensprachdolmetscher*innen wegfallen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass einfache Informationen, die nicht so wichtig sind, in Zukunft sicher von Gebärdensprach-Avataren übersetzt werden können. Für die Übersetzung bzw. Übermittlung von komplexen Inhalten braucht man aber nach wie vor gut ausgebildete Gebärdensprachdolmetscher*innen bzw. Übersetzer*innen und natürlich auch gehörlose Gebärdensprachdozent*innen. Wir hoffen, dass die Politik nicht auf die Versprechungen der Industrie hereinfällt und auch weiterhin in den echten Ausbau der Barrierefreiheit investiert, für den wie gesagt menschliche Gebärdensprachdolmetscher*innen bzw. Übersetzer*innen notwendig sind.

5. Juli 2019
von Cornelia von Pappenheim
Keine Kommentare

Zeit, über das Leid zu sprechen

Es gibt die Stiftung Anerkennung und Hilfe.

Was macht die Stiftung Anerkennung und Hilfe?
„Der Deutsche Bundestag hat die Bundesregierung aufgefordert, in Abstimmung mit den Bundesländern ein Hilfesystem zu errichten für Menschen, die als Kinder und Jugendliche in der Zeit vom 23. Mai 1949 bis zum 31. Dezember 1975 in der Bundesrepublik Deutschland bzw. vom 7. Oktober 1949 bis zum 2. Oktober 1990 in der DDR in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in stationären psychiatrischen Einrichtungen Leid und Unrecht erfahren haben. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat gemeinsam mit Ländern und Kirchen einen Lösungsweg erarbeitet, um das Leid der Betroffenen anzuerkennen und das erlebte Unrecht aufzuarbeiten. Das errichtete Hilfesystem ist die Stiftung Anerkennung und Hilfe.“ (Quelle: http://www.stiftung-anerkennung-und-hilfe.de)

Am 13. Mai 2019 fand in Berlin die Veranstaltung der Stiftung Anerkennung und Hilfe mit dem Titel „Zeit, über das Leid zu sprechen“ statt. Hierüber wurde ein Bericht veröffentlicht. Diesen Bericht gibt es in leichter Sprache und auch in deutscher Gebärdensprache übersetzt. Den Link finden Sie hier.

Zu diesem Thema hat Sehen statt Hören einen Filmbetrag gemacht. Dieser Film wird morgen am Samstag gezeigt. Sie finden auch zusätzlich Experteninterviews in Gebärdensprache und weiterführende Informationen hier auf den Sehen statt Hören-Sendungsseiten (hier der Link)